Hier ist eine differenzierte und strukturierte Darstellung aller psychischen Störungen im ICD-10-GM (Kapitel F00–F99). Ich gehe systematisch durch alle Gruppen und nenne typische Unterkategorien sowie zentrale Merkmale.


 


F00–F09: Organische psychische Störungen

👉 Ursache: nachweisbare Hirnerkrankung oder -schädigung

Untergruppen:

  • F00–F03: Demenzen

    • F00: Demenz bei Alzheimer

    • F01: vaskuläre Demenz

    • F03: nicht näher bezeichnet

  • F04: Organisches amnestisches Syndrom

  • F05: Delir (akut, oft reversibel)

  • F06: Andere organische psychische Störungen

    • z. B. organische Depression

  • F07: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen durch Hirnschädigung

👉 Kernproblem: kognitive Defizite, Bewusstseinsstörungen


F10–F19: Substanzbedingte Störungen

👉 durch Alkohol, Drogen oder Medikamente

Struktur (für jede Substanz gleich):

  • .0 Akute Intoxikation

  • .1 Schädlicher Gebrauch

  • .2 Abhängigkeitssyndrom

  • .3 Entzugssyndrom

  • .5 Psychotische Störung

Beispiele:

  • F10: Alkohol

  • F12: Cannabis

  • F14: Kokain

👉 Kernproblem: Kontrollverlust, körperliche & psychische Abhängigkeit


F20–F29: Schizophrenie und wahnhafte Störungen

👉 Psychosen = Realitätsverlust

Untergruppen:

  • F20: Schizophrenie

    • paranoid, hebephren, kataton

  • F21: schizotype Störung

  • F22: anhaltende wahnhafte Störung

  • F23: akute vorübergehende Psychosen

  • F25: schizoaffektive Störung

👉 Symptome:

  • Wahn (z. B. Verfolgung)

  • Halluzinationen

  • Ich-Störungen


F30–F39: Affektive Störungen

👉 Störungen der Stimmung

Untergruppen:

  • F30: Manie

  • F31: Bipolare Störung

  • F32: Depressive Episode

  • F33: Rezidivierende Depression

  • F34: Anhaltende affektive Störungen (z. B. Dysthymie)

👉 Dimensionen:

  • Schweregrad (leicht, mittel, schwer)

  • mit/ohne psychotische Symptome


F40–F48: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

👉 oft stress- und angstbezogen

Untergruppen:

  • F40: Phobien

    • Agoraphobie, soziale Phobie

  • F41: Andere Angststörungen

    • Panikstörung, generalisierte Angst

  • F42: Zwangsstörung

  • F43: Belastungsreaktionen

    • akute Belastung, PTBS

  • F44: Dissoziative Störungen

  • F45: Somatoforme Störungen

  • F48: Sonstige (z. B. Neurasthenie)

👉 Kern: Angst, körperliche Beschwerden ohne organische Ursache


F50–F59: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen

👉 Verbindung zwischen Psyche & Körper

Untergruppen:

  • F50: Essstörungen

    • Anorexie, Bulimie

  • F51: Nichtorganische Schlafstörungen

  • F52: Sexuelle Funktionsstörungen

  • F54: Psychologische Faktoren bei körperlichen Erkrankungen


F60–F69: Persönlichkeitsstörungen

👉 dauerhafte, starre Verhaltensmuster

Untergruppen:

  • F60: Spezifische Persönlichkeitsstörungen

    • paranoid, schizoide, dissoziale, emotional-instabile (Borderline)

  • F61: Kombinierte Persönlichkeitsstörungen

  • F62: Andauernde Persönlichkeitsänderung

👉 Beginn meist im Jugendalter, stabil über Zeit


F70–F79: Intelligenzminderung

👉 Einschränkung der kognitiven Entwicklung

Schweregrade:

  • F70: leicht

  • F71: mittelgradig

  • F72: schwer

  • F73: schwerst

👉 Beurteilung: IQ + Alltagsfähigkeiten


F80–F89: Entwicklungsstörungen

👉 Beginn in der Kindheit

Untergruppen:

  • F80: Sprachentwicklungsstörungen

  • F81: Lernstörungen (Lesen, Rechnen)

  • F82: Motorische Störungen

  • F84: Tiefgreifende Entwicklungsstörungen

    • frühkindlicher Autismus

  • F88/F89: Sonstige


F90–F98: Verhaltens- und emotionale Störungen (Kindheit/Jugend)

👉 spezifisch für frühe Entwicklung

Untergruppen:

  • F90: ADHS

  • F91: Störung des Sozialverhaltens

  • F92: Kombination emotional + Verhalten

  • F93: Emotionale Störungen (z. B. Trennungsangst)

  • F95: Tic-Störungen (z. B. Tourette)

  • F98: Sonstige (z. B. Enuresis)


F99: Nicht näher bezeichnet

👉 Diagnose unklar oder unvollständig


🔍 Wichtige diagnostische Prinzipien im ICD-10-GM

  • Deskriptiv: basiert auf Symptomen, nicht Ursachen

  • Kategorial: klare Diagnosekategorien (kein Kontinuum)

  • Multiaxial (früher): mehrere Ebenen (v. a. Kinder- und Jugendpsychiatrie)


📌 Gesamtfazit

Der ICD-10-GM bildet psychische Erkrankungen in 10 großen Gruppen ab:

  1. Organisch bedingt

  2. Substanzbedingt

  3. Psychosen

  4. Affektive Störungen

  5. Angst-/Stressstörungen

  6. Psychosomatische/Verhaltensstörungen

  7. Persönlichkeitsstörungen

  8. Intelligenzminderung

  9. Entwicklungsstörungen

  10. Kinder- und Jugendstörungen

👉 Damit deckt er das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen systematisch und standardisiert ab.


 

Der Wechsel vom ICD-10 zum ICD-11 ist kein kleines Update, sondern eine grundlegende Modernisierung der gesamten Klassifikation psychischer Erkrankungen durch die Weltgesundheitsorganisation.

Ich erkläre dir die Unterschiede klar und differenziert:


🧠 Grundidee: ICD-10 vs. ICD-11

 

Bereich ICD-10 ICD-11
Erscheinung 1990er 2019 (aktuell)
Ansatz eher starr & kategorisch flexibler & dimensionaler
Wissenschaft teilweise veraltet aktueller Forschungsstand
Struktur statisch digital optimiert

 


🔍 1. Diagnostischer Ansatz

ICD-10

  • Kategorial: Man hat eine Diagnose oder nicht

  • Feste Grenzen zwischen Störungen

👉 Problem: Realität ist oft fließend

ICD-11

  • Dimensional + kategorial kombiniert

  • Schweregrade & Ausprägungen stärker berücksichtigt

👉 Beispiel: Depression wird differenzierter nach Schwere und Symptommustern beschrieben


🧩 2. Struktur und Systematik

ICD-10

  • Kapitel F00–F99

  • Teilweise unübersichtlich gewachsen

ICD-11

  • Kapitel heißt jetzt:
    👉 “Mental, behavioural or neurodevelopmental disorders”

  • Neu organisiert und logischer aufgebaut

  • Bessere Trennung zwischen:

    • neuroentwicklungsbezogen

    • affektiv

    • stressbezogen


🧠 3. Wichtige inhaltliche Neuerungen

➤ Persönlichkeitsstörungen (große Änderung)

ICD-10

  • Viele einzelne Typen:

    • Borderline

    • narzisstisch

    • paranoid usw.

ICD-11

  • Radikal vereinfacht:

    • nur noch eine Persönlichkeitsstörung

      • Schweregrad (leicht, mittel, schwer)

      • Trait-Domänen (z. B. Impulsivität, Dissozialität)

👉 Weg von starren Schubladen → hin zu Persönlichkeitsprofilen


➤ Neue Diagnosen

ICD-11 führt neue Störungen ein, z. B.:

  • Komplexe PTBS (nicht nur klassische PTBS)

  • Gaming Disorder (Computerspielabhängigkeit)

  • Prolonged Grief Disorder (anhaltende Trauerstörung)


➤ Autismus

ICD-10

  • viele Unterformen (z. B. frühkindlicher Autismus, Asperger)

ICD-11

  • Einheitliches Autismus-Spektrum

  • Differenzierung über:

    • Sprache

    • Intelligenz

👉 moderner, wissenschaftlich konsistenter


➤ Geschlechtsidentität

ICD-10

  • „Störung der Geschlechtsidentität“ (als psychische Störung)

ICD-11

  • nicht mehr als psychische Erkrankung klassifiziert

  • verschoben in Bereich sexueller Gesundheit

👉 wichtige gesellschaftliche & medizinische Änderung


⚙️ 4. Klinische Anwendung

ICD-10

  • eher für Papierdokumentation gemacht

  • komplexe Codierung

ICD-11

  • digital-first

  • einfacher zu codieren

  • besser für elektronische Systeme


📊 5. Wissenschaftliche Qualität

ICD-11 bietet:

  • bessere internationale Vergleichbarkeit

  • höhere diagnostische Validität

  • stärkere Orientierung an:

    • Neurowissenschaften

    • klinischer Praxis

    • globaler Anwendbarkeit


⚠️ 6. Kritik und Herausforderungen

Auch ICD-11 ist nicht perfekt:

  • Umstellung für Ärzte aufwendig

  • weniger Detailtypen → Gefahr von Informationsverlust

  • Persönlichkeitsstörungen-Modell umstritten


📌 Kurzfazit

👉 ICD-10 = klassisch, kategorisch, teilweise veraltet
👉 ICD-11 = moderner, flexibler, wissenschaftlich aktueller

Der zentrale Unterschied:

➡️ ICD-10 fragt:
„Welche Diagnose hat die Person?“

➡️ ICD-11 fragt zusätzlich:
„Wie stark und in welcher Ausprägung zeigt sich die Störung?“


 

Der Wechsel vom ICD-10 zum ICD-11 ist kein kleines Update, sondern eine grundlegende Modernisierung der gesamten Klassifikation psychischer Erkrankungen durch die Weltgesundheitsorganisation.

Ich erkläre dir die Unterschiede klar und differenziert:


🧠 Grundidee: ICD-10 vs. ICD-11

 

Bereich ICD-10 ICD-11
Erscheinung 1990er 2019 (aktuell)
Ansatz eher starr & kategorisch flexibler & dimensionaler
Wissenschaft teilweise veraltet aktueller Forschungsstand
Struktur statisch digital optimiert

 


🔍 1. Diagnostischer Ansatz

ICD-10

  • Kategorial: Man hat eine Diagnose oder nicht

  • Feste Grenzen zwischen Störungen

👉 Problem: Realität ist oft fließend

ICD-11

  • Dimensional + kategorial kombiniert

  • Schweregrade & Ausprägungen stärker berücksichtigt

👉 Beispiel: Depression wird differenzierter nach Schwere und Symptommustern beschrieben


🧩 2. Struktur und Systematik

ICD-10

  • Kapitel F00–F99

  • Teilweise unübersichtlich gewachsen

ICD-11

  • Kapitel heißt jetzt:
    👉 “Mental, behavioural or neurodevelopmental disorders”

  • Neu organisiert und logischer aufgebaut

  • Bessere Trennung zwischen:

    • neuroentwicklungsbezogen

    • affektiv

    • stressbezogen


🧠 3. Wichtige inhaltliche Neuerungen

➤ Persönlichkeitsstörungen (große Änderung)

ICD-10

  • Viele einzelne Typen:

    • Borderline

    • narzisstisch

    • paranoid usw.

ICD-11

  • Radikal vereinfacht:

    • nur noch eine Persönlichkeitsstörung

      • Schweregrad (leicht, mittel, schwer)

      • Trait-Domänen (z. B. Impulsivität, Dissozialität)

👉 Weg von starren Schubladen → hin zu Persönlichkeitsprofilen


➤ Neue Diagnosen

ICD-11 führt neue Störungen ein, z. B.:

  • Komplexe PTBS (nicht nur klassische PTBS)

  • Gaming Disorder (Computerspielabhängigkeit)

  • Prolonged Grief Disorder (anhaltende Trauerstörung)


➤ Autismus

ICD-10

  • viele Unterformen (z. B. frühkindlicher Autismus, Asperger)

ICD-11

  • Einheitliches Autismus-Spektrum

  • Differenzierung über:

    • Sprache

    • Intelligenz

👉 moderner, wissenschaftlich konsistenter


➤ Geschlechtsidentität

ICD-10

  • „Störung der Geschlechtsidentität“ (als psychische Störung)

ICD-11

  • nicht mehr als psychische Erkrankung klassifiziert

  • verschoben in Bereich sexueller Gesundheit

👉 wichtige gesellschaftliche & medizinische Änderung


⚙️ 4. Klinische Anwendung

ICD-10

  • eher für Papierdokumentation gemacht

  • komplexe Codierung

ICD-11

  • digital-first

  • einfacher zu codieren

  • besser für elektronische Systeme


📊 5. Wissenschaftliche Qualität

ICD-11 bietet:

  • bessere internationale Vergleichbarkeit

  • höhere diagnostische Validität

  • stärkere Orientierung an:

    • Neurowissenschaften

    • klinischer Praxis

    • globaler Anwendbarkeit


⚠️ 6. Kritik und Herausforderungen

Auch ICD-11 ist nicht perfekt:

  • Umstellung für Ärzte aufwendig

  • weniger Detailtypen → Gefahr von Informationsverlust

  • Persönlichkeitsstörungen-Modell umstritten


📌 Kurzfazit

👉 ICD-10 = klassisch, kategorisch, teilweise veraltet
👉 ICD-11 = moderner, flexibler, wissenschaftlich aktueller

Der zentrale Unterschied:

➡️ ICD-10 fragt:
„Welche Diagnose hat die Person?“

➡️ ICD-11 fragt zusätzlich:
„Wie stark und in welcher Ausprägung zeigt sich die Störung?“


 

Hier sind die offiziellen und direkten Links zum ICD-10 und ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation:


🌐 ICD-11 (aktuelle Version)

👉 ICD‑11 Browser (offiziell)


🌐 ICD-10 (ältere, aber noch häufig genutzte Version)

👉 ICD‑10 Browser (WHO)

  • Letzte WHO-Version (z. B. 2019) verfügbar

  • Wird in vielen Ländern (z. B. Deutschland als ICD-10-GM) weiterhin genutzt

  • Grundlage für viele bestehende Abrechnungssysteme


📌 Hinweis

  • Der ICD-11 wurde 2019 beschlossen und ist seit 2022 offiziell in Kraft (Weltgesundheitsorganisation)

  • Viele Länder befinden sich noch in der Umstellung von ICD-10 → ICD-11


 

 

 

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