Ein kurzer Reality-Check vorab: Erhöhtes sexuelles Verlangen ist nicht automatisch ein Problem. Erst wenn es leidvoll wird, schwer kontrollierbar ist oder negative Konsequenzen hat, spricht man im klinischen Kontext z. B. von Hypersexualität (auch: zwanghaftes Sexualverhalten).

 

Fragebogen: Erhöhtes sexuelles Verlangen

Anleitung:
Bewerte jede Aussage auf einer Skala von 0 bis 4:

  • 0 = Trifft gar nicht zu

  • 1 = Trifft eher nicht zu

  • 2 = Teils/teils

  • 3 = Trifft eher zu

  • 4 = Trifft völlig zu

Beziehe dich auf die letzten Wochen oder Monate.


🔹 Intensität & Häufigkeit

  1. Ich denke sehr häufig an sexuelle Inhalte oder Fantasien.

  2. Mein sexuelles Verlangen ist stärker als bei den meisten Menschen in meinem Umfeld.

  3. Ich habe oft das Gefühl eines „inneren Drangs“.

  4. Sexuelle Gedanken treten auch in unpassenden Situationen auf.

  5. Es fällt mir schwer, meine Aufmerksamkeit davon abzulenken.


🔹 Kontrolle & Impulsivität

  1. Ich habe Schwierigkeiten, mein sexuelles Verhalten zu kontrollieren.

  2. Ich handle manchmal impulsiv in Bezug auf Sexualität.

  3. Ich nehme mir vor, mein Verhalten zu ändern, schaffe es aber nicht langfristig.

  4. Ich nutze sexuelle Aktivitäten, um Spannungen abzubauen.

  5. Ich verliere gelegentlich das Gefühl für Maß oder Grenzen.


🔹 Auswirkungen auf Alltag

  1. Mein sexuelles Verlangen beeinflusst meine Arbeit oder Verpflichtungen.

  2. Ich vernachlässige andere Lebensbereiche (z. B. soziale Kontakte, Hobbys).

  3. Ich verbringe viel Zeit mit sexuellen Aktivitäten oder Gedanken.

  4. Ich habe Schwierigkeiten, mich auf andere Dinge zu konzentrieren.

  5. Mein Verhalten hat zu Konflikten mit anderen geführt.


🔹 Emotionale Aspekte

  1. Ich fühle mich nach sexuellen Handlungen manchmal schuldig oder unzufrieden.

  2. Ich nutze Sexualität, um negative Gefühle zu regulieren.

  3. Ich empfinde mein Verlangen teilweise als belastend.

  4. Ich habe das Gefühl, „getrieben“ zu sein.

  5. Mein Selbstbild wird durch mein sexuelles Verhalten beeinflusst.


Auswertung (Orientierung)

  • 0–20 Punkte: Unauffällige Libido

  • 21–40 Punkte: Erhöhtes, aber meist unproblematisches Verlangen

  • 41–60 Punkte: Auffällige Tendenzen (Beobachtung sinnvoll)

  • 61–80 Punkte: Deutliche Hinweise auf Kontrollprobleme

  • 81–100 Punkte: Stark belastende Ausprägung


Wichtiger Hinweis

Entscheidend ist nicht die „Höhe“ des Verlangens, sondern:

  • Leidensdruck (fühlt es sich belastend an?)

  • Kontrollverlust

  • negative Konsequenzen im Alltag oder Beziehungen

Außerdem kann erhöhtes sexuelles Verlangen auch in anderen Kontexten auftreten, z. B. bei:

  • hypomanischen/manischen Phasen

  • Stress oder emotionaler Regulation

  • hormonellen Veränderungen