Menschen mit einer Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zeigen oft Verhaltensmuster, die stark von ihrem Bedürfnis nach Bewunderung, Kontrolle und einem fragilen Selbstwert geprägt sind. Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen kann sich das je nach Alter der Kinder unterschiedlich äußern.


Umgang mit Kleinkindern

Bei kleinen Kindern stehen Abhängigkeit und Bindung im Mittelpunkt – genau hier entstehen oft Spannungen:

Typische Muster:

  • Geringe Empathie: Bedürfnisse des Kindes (z. B. Trost, Nähe) werden ignoriert oder als „lästig“ empfunden.

  • Instrumentalisierung: Das Kind wird eher als „Verlängerung des eigenen Selbst“ gesehen („Es soll mich gut aussehen lassen“).

  • Unberechenbarkeit: Zuwendung kann plötzlich in Ablehnung umschlagen, wenn das Kind nicht „funktioniert“.

  • Überforderung mit kindlicher Autonomie: Trotzphase oder eigene Bedürfnisse des Kindes werden als Angriff erlebt.

Mögliche Folgen für das Kind:

  • Unsichere Bindung

  • Schwierigkeiten, eigene Gefühle zu verstehen

  • Starkes Bedürfnis nach Bestätigung oder Angst vor Ablehnung


Umgang mit Jugendlichen

Jugendliche entwickeln ihre eigene Identität – das kann für narzisstisch geprägte Bezugspersonen besonders herausfordernd sein.

Typische Muster:

  • Kontrollverhalten: Der Jugendliche soll Erwartungen erfüllen, um das Selbstbild des Elternteils zu stützen.

  • Abwertung: Kritik, Beschämung oder Vergleich („Andere sind besser als du“) zur Stabilisierung des eigenen Selbstwerts.

  • Konkurrenzdenken: Der Jugendliche wird nicht als eigenständige Person akzeptiert, sondern als Rival*in erlebt.

  • Emotionale Manipulation: Schuldgefühle („Nach allem, was ich für dich getan habe…“) werden eingesetzt.

Mögliche Folgen für den Jugendlichen:

  • Geringes Selbstwertgefühl oder übermäßiger Perfektionismus

  • Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen aufzubauen

  • Rebellion oder vollständiger Rückzug

  • Verwirrung über eigene Identität


Wichtige Einordnung

  • Nicht jede selbstbezogene oder schwierige Verhaltensweise bedeutet automatisch eine NPS.

  • Das Spektrum narzisstischer Züge ist breit – Ausprägung und Kontext sind entscheidend.

  • Auch Menschen mit NPS können fürsorgliche Momente haben, aber die Beziehung bleibt oft instabil.


Fazit

Im Kern steht ein Konflikt: Kinder brauchen stabile, empathische Bezugspersonen – Menschen mit stark narzisstischen Mustern haben jedoch oft Schwierigkeiten, genau das konstant zu geben. Dadurch entstehen Beziehungen, die von Unsicherheit, Leistungsdruck oder emotionaler Distanz geprägt sind.

 


 

Wie man als betroffene Person (Kind oder Jugendlicher) gesünder mit so einer Situation umgehen kann

Das ist eine schwierige Situation – und leider auch eine, die viele Kinder und Jugendliche nicht sofort richtig einordnen können. Wichtig vorweg: Du kannst das Verhalten einer Bezugsperson mit stark narzisstischen Mustern nicht grundlegend verändern. Aber du kannst lernen, dich selbst besser zu schützen und stabil zu bleiben.

 


1. Verstehen, was passiert

Der erste Schritt ist, die Dynamik zu erkennen:

  • Kritik, Abwertung oder Schuldzuweisungen sagen oft mehr über die andere Person aus als über dich.

  • Zuwendung kann an Bedingungen geknüpft sein („Ich mag dich nur, wenn du…“).

  • Emotionale Reaktionen sind häufig unberechenbar.

👉 Dieses Verständnis hilft dir, Dinge weniger persönlich zu nehmen – auch wenn das nicht immer leicht ist.

 


2. Innere Distanz aufbauen

Du musst nicht jede Aussage „an dich ranlassen“.

  • Stell dir innerlich eine Art Schutzschild vor („Das gehört nicht zu mir“).

  • Versuche, dich nicht in endlose Rechtfertigungen oder Diskussionen ziehen zu lassen.

  • Wenn möglich: ruhig bleiben, statt emotional zu reagieren (das nimmt oft den „Brennstoff“ aus Konflikten).

Das nennt man manchmal auch „emotionale Abgrenzung“.

 


3. Grenzen setzen (altersabhängig)

Je nach Alter und Situation kannst du vorsichtig Grenzen entwickeln:

  • Kleiner Anfang: „Darüber möchte ich gerade nicht sprechen.“

  • Rückzug: Raum verlassen, wenn Gespräche verletzend werden

  • Klare Signale: Nicht alles akzeptieren, auch wenn Gegenwehr schwer ist

Wichtig: Bei stark kontrollierenden oder impulsiven Bezugspersonen sollte das behutsam passieren – Sicherheit geht vor.

 


4. Unterstützung außerhalb suchen

Du musst das nicht alleine tragen.

  • Vertrauenspersonen (Freunde, Verwandte, Lehrer)

  • Schulsozialarbeit oder Beratungsstellen

  • Professionelle Hilfe, z. B. durch Organisationen wie Nummer gegen Kummer

    • Telefon Kinder & Jugendliche: 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr)

    • Telefon Eltern: 0800 111 0 550 (Mo–Fr 9–17 Uhr)

Mit jemandem zu sprechen, der neutral ist, kann enorm entlasten.

 


5. Eigene Gefühle ernst nehmen

In solchen Familien lernen viele Kinder:

„Meine Gefühle sind falsch oder unwichtig.“

Das stimmt nicht.

  • Schreib deine Gedanken auf (Tagebuch)

  • Sprich mit Menschen, die dich ernst nehmen

  • Lerne, deine Emotionen zu benennen („Ich bin verletzt“, „Ich bin wütend“)

Das stärkt langfristig dein Selbstbild.

 


6. Eigenen Selbstwert aufbauen

Dein Wert hängt nicht davon ab, wie diese Person dich behandelt.

  • Pflege Freundschaften, in denen du respektiert wirst

  • Finde Aktivitäten, die dir guttun (Sport, Kreatives, Hobbys)

  • Achte auf kleine Erfolge – sie gehören dir

 


7. Wenn es zu belastend wird

Wenn es zu starker emotionaler Belastung, Angst oder sogar Gewalt kommt:

  • Hol dir unbedingt Hilfe

  • In Deutschland kannst du dich auch anonym beraten lassen, z. B. bei TelefonSeelsorge

    • Träger: Evangelische und katholische Kirche in Deutschland

    • Kontakt: 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 / 116 123

 


Fazit

Du bist in einer Situation, die du dir nicht ausgesucht hast – aber du kannst lernen, dich darin zu orientieren.
Der wichtigste Punkt: Schütze dein inneres Gleichgewicht und suche dir Menschen, die dir Halt geben.